Das Ziel der IAP

 

Ziel und philosophische Ausrichtung

Die Philosophie ist diejenige Wissenschaft, welche die Antworten auf große Fragen wie „Hat der Mensch einen freien Willen?“, „Hat der Mensch eine Seele?“, „Gibt es einen Gott?“ oder „Gibt es Rechte und Pflichten unabhängig davon, was jemand glaubt, will oder befiehlt?“ oder auch „Was zeigt uns die Quantenmechanik über die Natur der Materie?“ sucht. Ziel und Aufgabe der IAP ist die Förderung der Philosophie – und nicht bloß der Philosophiegeschichtsschreibung, also der Untersuchung, welcher Philosoph was wann geschrieben hat. In der so verstandenen Philosophie werden wie in keinem anderen Fach das Denken, das klare und genaue Argumentieren, das Abwägen von Gründen und das Problemlösen systematisch geschult. Diese „transferierbaren Fähigkeiten“ sind auch für Tätigkeiten in der Wirtschaft von großem Wert und Nutzen.

Die Forschungsschwerpunkte der IAP sind die Metaphysik, die analytische Religionsphilosophie und die Philosophie der Psychologie. Der Umfang der Metaphysik wird wie in der angelsächsischen Philosophie und der deutschen Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts verstanden. Dazu gehören u.a. die Themen Ontologie, Modalität, Kausalität, Willensfreiheit. Einen Überblick darüber bieten englische Aufsatzsammlungen und die Kategorie „metaphysics“ im Categorization Project in PhilPapers.org. Die analytische Religionsphilosophie untersucht Fragen über Gott und Religion mit den Mitteln der Philosophie. Im Unterschied zur Theologie verwendet sie Offenbarung nicht als Erkenntnisquelle. (Siehe dazu unsere Einführung in die analytische Religionsphilosophie.) Im Bereich der Philosophie der Psychologie verfolgt die IAP besonders die Linie der personalistischen und existentiell orientierte Psychologie (Viktor Frankl, Rudolf Allers, Ludwig Binswanger) und trägt zur Weiterentwicklung der Logotherapie bei.

Die IAP wurde 1986 in der Tradtion der realistischen Phänomenologie gegründet, wie sie von Edmund Husserl (1859-1938), Alexander Pfänder (1870-1941), Max Scheler (1874-1928), Adolf Reinach (1883-1917), Dietrich von Hildebrand (1889-1977) und Roman Ingarden (1893-1970) betrieben wurde. Ferner fördert die IAP die Auseinandersetzung mit anderen deutschsprachigen, großenteils wenig bekannten realistischen Philosophen früherer Jahrhunderte, wie Christoph Scheibler (1589-1653), Christian August Crusius (1715-1775), Martin Knutzen (1713-1751), Johann Friedrich Herbart (1776-1841), Bernard Bolzano (1781-1848), I.H. Fichte (1796-1879) und Hermann Ulrici (1806-1884). Dank der Digitalisierung sind deren Texte heute leicht zugänglich. Wir haben dazu eine ständig wachsende,
frei zugängliche Datenbank solcher Texte erstellt.

„Realismus“ meint hier die Annahme, daß es von unserem Denken unabhängige Gegenstände gibt, die zu erforschen möglich und lohnend ist. In diesem Sinne folgt die IAP dem Ruf: „Zurück zu den Sachen selbst!“, den die Realisten den Nominalisten entgegenhielten („Ad res ipsas!“) und den Edmund Husserl aufgegriffen hat. Das könnte eine Selbstverständlichkeit sein, doch gab es viele philosophische Bewegungen, welche sich von der Aufgabe der Beantwortung der philosophischen Fragen abgewandt und sich statt dessen andere Betätigungsfelder gesucht haben: Philosophiegeschichte, Geschichte, „Kulturwissenschaft“, „Gesellschaftswissenschaft“, „Humanwissenschaft“, Texte, Hermeneutik, Sprache, Begriffe, Semantik, Bewußtseinsinhalte, Sinnesdaten, Transzendentales oder Denkkategorien, und auch esoterische, unklare Schreibweise, wie sie im deutschen Idealismus aufkam. Viele Autoren haben sich insbesondere von der Metaphysik (z.B. den Fragen, „Hat der Mensch eine Seele?“, „Gibt es objektive Pflichten?“ oder „Gibt es einen Gott?“) abgewandt, indem sie behaupteten, ihre Fragen seien sinnlos oder unbeantwortbar. Die IAP widersetzt sich solchen Versuchen, das Forschen und das Fragen einzuschränken.

„Phänomenologie“ meint hier die dem Empirismus und dem Positivismus entgegenstehende These, daß wir nicht nur über die körperlichen Sinnesorgane Wissen über die Welt erlangen können. „Phänomenologie“ heißt, daß Erkenntnis durch Phänomene möglich ist, d.h. durch nicht durch die körperlichen Sinne erzeugte Bewußtseinsinhalte, in denen uns etwas so-und-so erscheint. Moralische Wahrheiten und Wahrheiten über Möglichkeiten beispielsweise erkennen wir auf andere Weise.

Der Leitsatz der IAP, „Die Wahrheit lieben, und zwar die ganze Wahrheit und die Wahrheit in allen Bereichen“ („Diligere veritatem omnem et in omnibus“), verpflichtet sie zur wissenschaftlichen Suche nach der Wahrheit und zur Suche nach den richtigen Methoden zur Wahrheitsfindung, im Unterschied zu Bewegungen, welche die Vernunft, das wissenschaftliche Abwägen und das klare und genaue Argumentieren und Schreiben geringschätzen oder sich von der Wahrheitssuche abwenden. Insbesondere die Postmodernisten, die viel einflußreicher sind als viele sich das vorstellen können, behaupten, es gebe keine Wahrheit, Wahrheit sei nur ein Machtinstrument, es gebe keine Wirklichkeit, usw. Die IAP kritisiert diese anti-rationale Rhetorik.

Die IAP pflegt ein adversatorisches Vorgehen in der Lehre und in der Forschung, wie es in der europäischen Universität in der Form der Disputation im Mündlichen wie im Schriftlichen entwickelt wurde. In der Disputation durfte nicht nur jeder seine Position vertreten, es wurde sogar dem Proponenten einer These ein Opponent gegenübergestellt, dem die Aufgabe gegeben war, die Gegenposition zu verteidigen. Dies tat man, obwohl man annahm, daß es die Wahrheit gibt. Man erkannte, daß dieses adversatorische Vorgehen zur Wahrheitsfindung und zum Finden von Gründen beiträgt. Das ist auch der Grund, weshalb vor Gericht der Angeklagte einen Rechtsantwalt hat, der die These verteidigt, daß der Angeklagte unschuldig sei. Das ist auch der Grund, weshalb in Europa sich die Meinungsfreiheit entwickelt hat. Im deutschen Idealismus des 19. Jahrhunderts wurde die adversatorische Vorgehensweise in der Philosophie aufgegeben, diese Autoren haben nicht mehr systematisch die alternativen Positionen untersucht.

Die IAP hat keine festgelegte philosophische Position, sie berücksichtigt aber folgende Auffassungen: nicht-reduktiver moralischer Realismus, materiale Wertethik (Naturrecht), die Existenz einer menschlichen Seele, Theismus (d.h. die Existenz des Schöpfergottes), menschliche Willensfreiheit. Die IAP ist an keine Kirche oder Konfession gebunden, ist aber für die christliche Offenbarung offen. In der Lehre legt die IAP Wert darauf, daß die Studierenden frei darin sind, welche Auffassungen sie vertreten, und daß allein die Qualität der Argumente benotet wird.

Organisation

Die IAP ist eine staatlich anerkannte private Hochschule im Fürstentum Liechtenstein. Ihre Unterrichtssprachen sind Deutsch und Englisch. Sie wurde 1986 im Fürstentum Liechtenstein gegründet. Von 2008 bis 2012 wurde an der IAP nur Forschung betrieben, es fand in Liechtenstein kein Lehrbetrieb statt. Seit 2013 wird ein Promotionsstudium angeboten. Das Promotionsstudium kann teilweise als Fernstudium absolviert werden.

Die IAP ist Mitglied im Verbund der Internationalen Bodenseehochschule, zu der 29 benachbarte Hochschulen in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein gehören. Studierende und Forscher der Mitgliedshochschulen können Bibliotheken, Mensen, Studienangebote u.a. der anderen Mitgliedshochschulen nutzen, z.B. Universität Konstanz und Universität Zürich.

Die IAP hat folgende Leitungsorgane: Der Stiftungsrat trägt die Gesamtverantwortung. Der Hochschulrat hat die Funktion eines wissenschaftlichen Beirates, überwacht die Qualität von Lehre und Forschung und hat Mitsprache beim Beschluß der Studienordnungen und der Berufung von Dozenten. Die Hochschule wird vom Campus-Direktor geleitet. Beschwerden sind an den Campusdirektor (Email dvwachter AT iap.li) und nötigenfalls an den Hochschulrat (Email hochschulrat AT iap.li) zu richten.

Methode

Die Lehre an der IAP verwendet die unübertroffene, an den Universitäten Oxford und Cambridge von jeher übliche Methode der Einzeltutorien („tutorial system“). Vorlesungen, Seminare und Disputationen (Streitgespräche mit verteilten Rollen) werden ergänzend angeboten. Vorlesungen sind für viele Zwecke eine ineffiziente Lehrmethode, sie haben den Nachteil, daß der Studierende die Geschwindigkeit nicht steuern kann und daß kaum Interaktion mit dem Dozenten stattfindet. Die IAP verwendet sie deshalb nur als Ergänzung des Einzelunterrichts, besonders in der Form der wissenschaftlichen, argumentativen Vorlesung, in welcher der Dozent nicht bloß verschiedene Auffassungen darstellt, sondern seine Auffassung verteidigt und den Zuhörern zur Diskussion stellt. Seminare dienen der Interaktion zwischen den Teilnehmern. Ein Tutorium läuft so ab, daß der Studierende in jeder Sitzung den Auftrag bekommt, bestimmte Texte zu lesen und einen Aufsatz zu schreiben, welche eine bestimmte philosophische Frage beantwortet, der dann in der nächsten Sitzung besprochen wird. Die Sitzungen dauern eine Stunde und finden im Abstand von ein bis vier Wochen statt. Nachfragen können effizient per Email oder mündlich mit dem Dozenten geklärt werden. Lernen durch Einzeltutorien hat folgende Vorteile:

  • Aktives Lernen statt bloßes Zuhören.
  • Gründliches Training im Schreiben von Aufsätzen.
  • Der Dozent dient nicht nur dazu, Inhalte vorzutragen, sondern kann den Studierenden anregen, korrigieren, herausfordern, motivieren.
  • Der Studierende ist nicht auf die Wahl der gerade angebotenen Lehrveranstaltungen beschränkt, sondern kann jederzeit jedes beliebige Thema studieren, das einer der Dozenten beherrscht.
  • Volle Anpassung der Inhalte und der Geschwindigkeit, des Niveaus und des Leistungsanspruchs an die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Studierenden.

Während früher Studienleistungen nach Semesterwochenstunden berechnet wurden, erlaubt das „European Credit Transfer System“ (ECTS) heute die richtige Bemessung der in Tutorien erbrachten Leistungen, weil die geschätzten Arbeitsstunden des Studierenden berechnet werden. Ein ECTS-Punkt entspricht 30 Arbeitsstunden eines normalen Studenten. Für einen Aufsatz von 3000 Wörtern Länge, der innerhalb von 14 Tagen anzufertigen ist, beispielsweise werden drei ECTS-Punkte vergeben.

 
 
 

Aktuelles Projekt: Die Offenheit des Universums für Willensfreiheit und Gottes Handeln

Dank der großzügigen Unterstützung der John Templeton Foundation findet von 2017 bis 2019 an der IAP das Projekt The Openness of the Universe for Free Will and Special Divine Action statt.

↓ Texte und Videos

↓ Das Thema des Projektes